Aug 13 2010
Tag 2: Am Puls der katalonischen Metropole
Nach anfänglichen Jubelrufen meinerseits und ein paar vorsichtigen Freudensprüngen auf dem Bett, als ich den blauen Himmel heute Morgen sah, besann sich das Wetter aber wieder ganz schnell eines Schlechteren, um uns bei gänzlich bedecktem Himmel – der Luftfeuchtigkeit wegen – gefühlt eher thailändische Bedingungen aufzutischen. Demgemäß wurde der erste Tag Stadtbesichtigung heute auch zu einer echten Herausforderung für unseren Kreislauf, den wir mehr oder minder bravourös und mit kleinen schwächelnden Etappen gut überstanden haben.
Nachdem wir diesmal vergessen haben, in unserem Hotel das Frühstück mitzubuchen, haben wir uns heute Morgen kurzerhand selbst auf dem Weg nach einem Cafe gemacht und strandeten schließlich völlig zufällig bei „Francesco“, einem, wie Pan meinte, gänzlich spanisch sprechendem Lokal, in welchem wir uns – trotz einer missverstandenen Fehlbestellung – köstlich stärkten.
Diese Stärke war meines Erachtens aber auch von Nöten, um sich durch die Ramblas, laut Reiseführer dem „pulsierenden Herzen der katalanischen Metropole“ zu quälen. Verdrießlich war an dem Flanieren über die 1,3 Kilometer langen Straße, die sich in mehrere Abschnitte gliedert, vor allen aber Dingen die Fülle an Menschen – etwas, was ich so gar nicht mag. Letztlich, so ausgeprägt ist es mir auch noch nie anderswo aufgefallen, scheint es hier nur darum zu gehen, den Touristen zu bespaßen oder ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen, sei es als Hütchenspieler, sei es als lebende Statue, sei es Karikaturist, Blumenverkäufer oder was auch immer. Und genau hier ist auch die Gefahr vor Taschendieben sehr groß. Witzigerweise haben wir heute sogar mitbekommen, wie ein Kleinkrimineller auf dem Placa Reial vor der Polizei Reißaus nahm und diese ihn zu viert verfolgte. Apropos Polizei: eins ist mir heute besonders aufgefallen – in Barcelona trumpft die Polizei mit Omnipräsenz, wobei in diesem Zusammenhang die Frage nach dem Warum bleibt.
Gibt’s so viele Polizisten, weil es so viele Kriminelle gibt? Oder soll mir deren Präsenz lediglich das subjektive Sicherheitsgefühl erhöht werden? Vermutlich vermengt sich beides ein wenig.
Ein wahres Feuerwerk an Gerüchen bot dann aber schließlich der farbenprächtige Mercat de la Boqueria, der sich direkt an der Rambla befindet. Beim größten Markt der Stadt, der rund 800 Stände umfasst, findet man auch nahezu alles – und das frisch – , was das kulinarische Herz begehrt: Seien es Süßigkeiten, Honig, Käse, erlesene Öle, Oliven, einheimisches oder exotisches Obst oder Gemüse, Fleisch, Schinken, Fisch oder Meeresfrüchte. Wir selbst haben uns übrigens mit zwei profan belegten Baguettes zufrieden gegeben.
Im Anschluss daran sind wir über die Klappbrücke Rambla del Mar, die wegen ihrer wellenförmigen Bauweise zu einem Magneten für Besucher geworden ist, zum Hafen gegangen, um ein wenig maritimes Flair zu schnuppern. Von hier aus war es dann auch nicht mehr so weit bis zum Port Olimpic, dem Olympischen Hafen, der 1992 zum Anlass der Olympischen Spiele in Barcelona erbaut wurde und heute zu den beliebtesten Gegenden in der Metropole zählt.
Ein witziges Fotomotiv hier, das sich aber leider nicht so gut einzufangen lässt, ist ein 50 Meter großer, kupfern glänzender Stahlfisch, der zwischen zwei Zwillings-Hochhäusern steht.
Naja, und wo der Hafen ist, ist der Strand natürlich auch nicht mehr weit, insofern haben wir uns noch ein wenig am beliebten Barceloneta aufgehalten, um den Abend allmählich ausklingen zu lassen, bevor wir uns völlig erschöpft auf den Rückweg ins Hotel gemacht haben.
Nur mal am Rande erwähnt: Mit ihren vielen Palmen, den kleinen Gassen, den Trinkbrunnen, der Genussfreude beim Essen und der herzlich kommunikativen Art, sprüht die Stadt mit ihren Bewohnern übrigens vor südländischem Flair, was einen ganz besonderen Reiz in sich birgt.
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Das erste, was wir heute gemacht haben, als wir das Hotel verließen, war Pan eine schützende Kopfbedeckung zu organisieren, da er seine zuhause vergessen hat und die gestrige Sonne ihn abends nach eigenem Bekunden wie ein „Streichholz“ hat aussehen lassen. Dümmlicherweise ist mir das gestern unterwegs aber nicht aufgefallen, weil wir aufgrund der starken Helligkeit und der Sonneneinstrahlung ohnehin meist mit verkniffenen Augen durch die Stadt zogen.
Am Olympiastadion stiegen wir dann aber aus, um uns den Schauplatz großer Ereignisse, die im Jahre 1952 bei den XV. Olympischen Sommerspielen ihren Höhepunkt fanden, anzusehen. Wirklich sehenswert ist dort meines Erachtens aber nur der 72 Meter hohe Stadionturm, der eine umfassende Aussicht über die Stadt bietet. Wesentlich unterhaltsamer fand ich dagegen zwei junge Männer, die auf einer kleinen Wiese so etwas wie Kapoeira praktizierten, was an sich nicht weiter erwähnenswert gewesen wäre, wenn, ja wenn unsere Kleinen das nicht zum Nachmachen animiert hätte. In absehbarer Zeit wird
Nachdem wir zu diesem Zeitpunkt (17.30 Uhr) zu unserem großen Bedauern festgestellt haben, dass das Freiluftmuseum heute schon um 17 Uhr geschlossen hat, entschieden wir uns kurzerhand und alternativ für den Brunnenpark, dessen Name nichts mit irgendwelchen Wasserquellen oder –spielen zu tun hat, sondern einer der grünsten Flecken Erde im südlichen Innenstadtbereich ist, der einst die Kuranlage Helsinkis für Gäste der feinen Gesellschaft und für Adlige aus dem ferneren Russland war. Die am Meeresufer gelegene Hügellandschaft mit altem Baumbestand und Wiesenflächen begeisterte mich vornehmlich mal wieder wegen der Felsen, die die ganze Stadt zu durchziehen scheinen. Die Gunst der sich hier so viel Zeit lassenden untergehenden Sonne nutzend verweilten auch wir auf einem mit Wildblumen bewachsenem Felsen, um den malerischen Ausblick auf die Schären zu genießen.
Obwohl ich Sommer, Sonne und warme Temperaturen über alles liebe, war ich heute ganz besonders froh, diesen Tag in Helsinki und nicht in Würzburg verbracht zu haben, denn bei über 35 Grad ist die Stadt wegen ihrer Kessellage kein sonderliches Vergnügen, selbst wenn man den Tag im Schwimmbad verbringt, das bei dieser Hitze zum einen sowieso überlaufen ist und zum anderen von der Wassertemperatur auch keine wirkliche Erfrischung mehr bietet.
Den überwiegenden Teil des Tages haben wir uns aber auf einer der größten Seefestungen der Welt, Suomenlinna, aufgehalten. Die auf Inseln vor Helsinki gebaute, 60 Hektar große Garnisonsstadt, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, haben wir nach einer 15-minütigen Überfahrt mit der Fähre, die wir vorteilhafterweise sogar kostenfrei mit den innerstädtischen Fahrscheinen nutzen konnten, erreicht. Neben all den vielen offiziellen Sehenswürdigkeiten, die es dort zu begutachten gibt, hat mich vor allen Dingen eines begeistert, was ich so zuvor noch nie gesehen habe: Badefelsen, die zum Teil unter recht waghalsigen Umständen zugänglich waren. An der unbekannten Mischung aus schroffen Felsen, rauer Natur und windresistenten Badegästen, die entspannt der Sonne frönten, konnte ich mich nicht satt sehen. Hätte des Pans Sonnenbrand und unser Flüssigkeitsmangel uns nicht zum Weitergehen gemahnt, säße ich jetzt vermutlich noch immer dort, um das unbegreiflich ursprünglich-natural Schöne in mich aufzusaugen. Alternativ habe ich die Bilder dieser Szenerie jetzt im Herzen meiner Erinnerung gespeichert, wo ich unabhängig von äußeren Umständen jederzeit darauf zugreifen kann, um in dunklen Momenten vielleicht aus dem Quell des Kraftvollen schöpfen zu können.
Als wir Stunden später wieder Festland unter den Füßen hatten, haben wir uns noch die größte orthodoxe Kirche Westeuropas, die Uspenski-Kathedrale, einen eindrucksvollen roten Backsteinbau mit 13 vergoldeten Kuppeln, der im Innern mit mächtigen Granitsäulen und viel Vergoldung für feierliche Stimmung sorgt, angesehen.
Kurzum: Helsinki zu Zeiten des Sonnenuntergangs, also der langen Phase, die die Stadt in ein ganz besonderes Licht taucht, wobei nicht der Sonnenuntergang als solcher das betörende ist, sondern die intensiven Goldtöne, die er der Stadt spendet, so als läge über ihr eine Schicht schimmernden Sternenstaubs.
Nachdem unser Mitkommen gesichert war, war uns beiden eine riesige Last von den Schultern genommen. Ich konnte plötzlich auch wieder lachen und fühlte mich so unendlich entspannt, dass ich glaubte, die ganze Welt befrieden zu können.
Gestern Glück, vorgestern Glück. War ja klar, dass das nicht so weitergehen konnte. Schade, denn eigentlich hätten wir nur noch den heutigen Tag gebraucht, denn schon ab morgen schallt der Ruf der Pflicht wieder als Echo aus den Bergen, in den wir uns heute noch tummelten.

