Okt 04 2009
Merry Christmas
Weihnachten! Und das mitten im Oktober! Nein, es war heute nicht besonders kalt, das heißt anfänglich schon. Bedingt durch den Wind, für den Chicago bekannt ist.
Nein, es war vielmehr so, dass der liebe Wettergott oder einer seiner Abgesandten uns heute den ersten regenfreien und durchweg sonnigen Tag in diesem Urlaub beschert hat, weswegen unsere spontan getroffene Entscheidung, den heutigen Tag vor der Weiterfahrt gen Osten noch einmal in Chicago zu verbringen, goldrichtig war. Und er hat sich soooooo etwas von gelohnt, aber nicht nur das. Nein, er hat darüber hinaus auch für all die vergangenen, gefühlt urlaubslosen Tage entschädigt. Auch wenn ich es natürlich nicht gewusst hätte, was ich verpasst hätte, wenn wir den heutigen Tag nicht erneut Downtown gewesen wären, wäre es eine Sünde sondergleichen gewesen, denn durch die heutige Erfahrung kann ich nun für mich sagen, dass ich die Metropole am Lake Michigan nahtlos neben meine Lieblingssehenswürdigkeiten in den USA, White Sands Nationalpark und Petrified Forest, einreihen kann.
All das, was wir uns gestern nicht angesehen haben, haben wir heute realisiert, wobei wir des vortrefflichen Wetters wegen, auch erneut den Grant Park mit dem Buckingham Brunnen aufsuchten, da sich von unserem Parkplatz letztlich alles gewünscht Sehenswerte in relativer Laufweite befand. Da ich dem Wetter nicht traute, hieß unser erstes Ziel Millennium Park, den wir nach ein paar Schnappschüssen an der Chicago Stock Exchange, die uns dort gestern nicht vergönnt waren, aufsuchten. Tja, was soll ich sagen? Eigentlich bin ich sprachlich minderbemittelt, um das, was ich fühlte, in Worte zu kleiden. Besonders groß, was die Fläche betrifft, war er nicht. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, vielleicht etwas Ausuferndes wie der Central Park in New York oder der Hyde Park in London, aber davon ist der Millennium Park weit entfernt. Muss er aber auch gar nicht, denn schließlich ist die Größe eines Parks noch lange nicht mit einem Gütesiegel gleichzusetzen. Dem 2004 eröffneten Millennium Park würde ich aber, wenn ich diesbezüglich etwas zu sagen hätte, definitiv ein solches verleihen, da er durch seine sinn- und ideenreichen sowie verspielt umgesetzten Elemente das Vermögen besitzt, sowohl Erwachsene als auch Kinder in den Bann zu ziehen. Schade, dass ich keine Tasche besaß, die groß genug war, um ihn einfach einzupacken.
Im Anschluss daran – und auch deswegen war der Freude darauf wegen heute ein bisschen Weihnachten – machten wir uns, nach einem Miniabstecher im „Art Institute of Chicago“, auf den Weg in die Harold Washington Library, an der wir gestern ja leider ahnungslos ob ihres interessanten Innenlebens vorbeiliefen. Und auch hier wurden wir nicht enttäuscht. Auf insgesamt neun Etagen erstreckt sich die größte, der Öffentlichkeit zugängliche Bibliothek der Welt, die mittlerweile auch schon zahlreiche Preise eingeheimst hat. Die zwei Millionen Bücher verteilen sich übrigens auf acht Etagen, die allesamt über Rolltreppen zu erreichen sind. Die neunte beherbergt neben Ausstellungen einen meines Erachtens wirklich besuchenswerten Geheimtipp: einen schlichten, aber doch sehr vornehmen und gleichermaßen edlen Wintergarten, der durch seine Abgeschiedenheit in der obersten Etage, zumindest heute war es so, wie eine lichtdurchflutete Oase der Stille wirkt.
Danach, ich kündigte es weiter oben bereits an, stand noch einmal Grant Park auf dem Programm, der sich uns – eingebettet in wohlgeformte Kumuluswölkchen – heute von seiner schönsten Seite zeigte, wobei ich den Buckingham Brunnen (gestern flüchteten wir des Regens wegen ja bevor wir ihn uns detailliert ansehen konnten) weitaus weniger spektakulär finde, als ich diverse Male darüber gelesen habe. Aber zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden, was nicht heißen soll, dass damit ein Besuch dieses Brunnens überflüssig sei, zumal der Weg von hier bis zu einer hübschen Promenade des Lake Michigan, der aufgrund seiner unendlichen Weite eher einem Meer als einem See gleicht, nur ein Katzensprung entfernt ist.
Mittlerweile befinden wir uns schon gut 175 Kilometer östlich von Chicago, in einem nicht weiter erwähnenswerten Ort namens Elkhart, wo wir nur des Übernachtens wegen halt gemacht haben – erfreulicherweise supergünstig! Um unser nächstes Etappenziel, Cleveland, zu erreichen, müssen wir morgen noch fünf weitere Stunden fahren. Heute waren wir dafür zu müde.
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Die überraschende und nicht angekündigte Sonne des Morgens nutzen wollend, enteilten wir nach dem Frühstück recht zügig aus dem Hotel, um die Skyline bereits nach einer Stunde Fahrt greifbar vor Augen zu haben, wobei das Wetter schon während dieses 37 Kilometer langen Kurztrips wankelmütig wurde, letztlich, um es vorweg zu nehmen, sich aber über ein paar wenige Stunden hielt.
Im Anschluss daran reihten wir uns brav in die Schlange all derer ein, die gleichermaßen auf das sich in der 103. Etage befindende Skydeck des 442 Meter hohen Wolkenkratzers wollten, das im übrigen mit einem sehr rasanten Aufzug zu erreichen ist. Und wahrlich: Das Warten und die mehr oder minder pro Forma Personenkontrolle hat sich gelohnt. Die Rundum-Aussicht ist gigantisch. Diese Erfahrung – vor allen Dingen hatten wir, als wir oben waren, auch teilweise blauen Himmel – möchte ich nicht missen. Lediglich die verschmutzten Scheiben trübten das Erleben und gleichermaßen die Fotos.
Als der Regen wieder nachließ und ich einen Polizisten gezielt danach fragte, erfuhr ich auch, dass wir gar nicht im Millenium Park, sondern im Grant Park sind. Hier, wo auch der Buckingham Brunnen, der mit seiner Fontäne als die größte illuminierte Wasseranlage der Welt gilt, seine Heimat hat. Leider offenbarte sich uns das beliebte Ausflugsziel unter gänzlich grauem Himmel, der kurz nach unserem Erscheinen auch wieder seine Pforten öffnete, weswegen wir völlig fröstelnd und durchnässt beschlossen, zum Auto zurückzugehen, uns wärmer anzuziehen und dann wiederzukehren, schließlich wollte ich ja noch den richtigen Millenium Park sehen. Da der Regen aber immer stärker wurde und ich unter solchen Bedingungen keine Fotos mache, verwarfen wir dann aber dieses Vorhaben. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit, machte übrigens auch unser Plan B, der Besuch des Shedd Aquariums, keinen Sinn mehr.
Bedingt durch die anhaltenden Wetterkapriolen entschlossen wir uns heute Morgen dazu, dem Regen und der Kälte einmal keine Angriffsfläche zu bieten, sprich einen ruhig(er)en Tag einzulegen. Dank Internet – und hierbei war es diesmal ein wahrer Segen – war es auch kein Problem, uns Ideen und Anregungen für das Vorhaben zu holen. Letztlich fiel die Entscheidung auf ein Outletcenter mit 120 Geschäften im Westen der Stadt. Dass die rund 80 Kilometer lange Fahrt – auf der Karte sah die Strecke übrigens wesentlich kürzer aus – von unserem eher im Norden gelegenen Hotel, zu den „Chicago Premium Outlets“ schließlich aber so viel Zeit in Anspruch nehmen würde, hätte wohl weder der Pan noch ich im Vorfeld geglaubt. Auf dem Hinweg brauchten wir wegen des Verkehrs rund zwei Stunden, auf der Rückfahrt sogar drei, wodurch der Tag (s)einen ganz eigenwilligen Lauf nahm. Für gewöhnlich verhält sich der Besuch von Outlet-Centern bei uns so: wenn denn zufällig eines den Weg kreuzt, machen wir dort auch gerne mal Halt. Gezielt danach gesucht haben wir bis heute aber noch nie danach. Ob wir etwas gekauft haben? Der Pan war drauf und dran, sich ein Paar Schuhe zu erstehen, was er dann aber doch gelassen hat, während ich mich mit zwei Hemden und drei T-Shirts eindeckte.
Schon mal einen amerikanischen Reifenluftprüfer in den Urlaub mitgenommen? Nein, dann das nächste mal dran denken, denn man braucht ihn bestimmt irgendwann einmal. Im vergangenen Jahr hatten wir das Problem, dass ein Reifen plötzlich zu wenig Luft hatte, in diesem Jahr wieder. Als wir gerade unser Ziel Chicago erreichten hatten, meldete der Bordcomputer, dass der Reifendruck nicht stimme. Und das, nachdem wir rund eine Stunde im Stau der drittgrößten Stadt der USA gesteckt hatten! Schnell in ein Motel 8 eingecheckt, suchten wir anschließend bei strömendem Regen eine Tankstelle, und es schien, als seien wir an dem einzigen Ort gelandet, an dem es keine gibt. Und das in den USA! Schließlich fanden wir doch eine, und so prüften wir, nachdem wir das erwähnte Utensil für 3,49 Dollar gekauft hatten, die Luft unserer Reifen. Das kostete übrigens drei Quarters, also 75 Cent.
Aber lassen wir das. Switchen wir zeitmäßig einfach ein wenig weiter, um von Erfreulicherem zu erzählen. Dem Besuch im Outlet-Center, in welchem wir heute unsere Kids für sagenhaft umgerechnete 2,34 Euro neu einkleideten. Kein Scherz! Im „The Children’s Place“ waren etliche Kleidungsstücke aus der Babyabteilung, die vorher zwischen 12 und 15 Dollar gekostet haben, auf erfreulich wenigere Cents reduziert, weshalb unser lieber Tim mit einer ihm vortrefflich kleidenden Latzhose zuzüglich passenden Hütchen, Liselle mit einer schmucken Bluse und Fabi mit einem sportlichen Shirt ausstaffiert wurden. Wie sagte der Pan daraufhin? „Wenn wir schon draußen keinen Sonnenschein haben, holen wir uns diesen eben ins Auto“. Und genau in selbigem war daraufhin die Stimmung aufgrund unserer Laufsteg-Helden im höchsten Maße erheiternd.
Mit ein paar obligatorischen und einmal mehr trüben „Ich-war-hier-Fotos“ verließen wir um 16.15 Uhr bei lichter werdendem Himmel die Stadt. Zu diesem Zeitpunkt lagen noch zwei weitere Autostunden Fahrt bis zum geplanten Etappenziel des Tages, Indianapolis, vor uns. Tja, was soll ich sagen? Ich habe ihn zwar nicht gesehen, aber er, der Wolkeneinsammler, muss wohl mit seinem putzfreudigen Besen und dem ganz großen Rucksack unterwegs gewesen sein, denn schließlich waren sie, die Wolken und die schwarze Tristesse, mit einem Mal fast weg und ließen einen beinahe makellosen blauen Himmel zurück, unter dem sich die Fahrt Richtung Indianapolis endlich auch mal wie eine Szene aus unseren früheren Urlauben anfühlte. Göttlich! Möge es hoffentlich so bleiben! Dabei weiß ich schon heute, dass es ab Freitag, wenn wir Chicago erreichen, wieder schlechter werden soll.