Aug 15 2010

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Tag 4: Angekommen und verliebt

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Drei volle Tage habe ich nun gebraucht, um mich hier in Barcelona nicht nur angekommen zu fühlen, sondern mich vielmehr auch noch in die Stadt zu verlieben, trotz aller Widrigkeiten mit meiner Kamera, die sich heute noch zu dem gestrigen Malheur (eine Art Serienfehler, was die Hauptplatine betrifft, wie ich inzwischen herausgefunden habe) gesellten und meine Laune demgemäß eher sinken als haben steigen lassen. Und doch: die Stadt ist grandios.

Letztlich haben wir uns heute zwar auch „nur“ wieder Sehenswürdigkeiten angesehen, aber – um mal ganz salopp einen von Dieter Bohlens Sprüchen zum Besten zu geben – „das Gesamtpaket stimmt“. Irgendwie passt alles zusammen, auch die Randbegegnungen, die wir vorher nicht einplanen konnten, so zum Beispiel die Straßenmusiker, die die kleinen, engen Gassen genau mit der Musik bespielen, die mit diesem Terrain konveniert. Und die Barcelonesen stimmen gesanglich mit ein. Ja, es scheint so zu sein, als ob die Bewohner der Stadt, denen das entspannte Genießen förmlich ins Gesicht geschrieben steht, für vieles offen sind, auch für überraschende Aktionen, mit denen sie sich ihren Tag versüßen.

Doch nun zu unserem Tagesprogramm: Nachdem wir den Palau de la Música Catalana, den Weltkulturerbe-Konzertsaal, den man laut Reiseführer unbedingt gesehen haben sollte, abgestattet hatten, schlenderten wir gemütlich Richtung Strand, um von der Platja de Barceloneta nach geschlagenen 75 Minuten Wartezeit (!) mit der Seilbahn schließlich rüber zum Montjuic, dem Hausberg der Stadt, zu fahren.

An der Station angekommen, haben wir die große Aussichtsplattform, von der man eine beeindruckende und weitflächige Aussicht in fast alle Himmelsrichtungen hat, welche aber noch besser wird, wenn man sich auf den Rundtrip hoch zur Festung macht, genutzt, um ein paar Fotos und Filmszenen hoch über der Stadt einzufangen. Erfreulicherweise lässt sich dieser etwas beschwerliche Weg nach ganz oben zur Festung, in der sich heute ein eher unspektakuläres Militärmuseum befindet, aber mit einer weiteren Gondel (für viel zu teures Geld) vereinfachen.

Auf dem serpentinenmäßigen Rückweg in die Stadt reihen sich etliche hübsche Gärten und ein avantgardistisches Museum des Künstler Joan Miró aneinander, für die uns aber leider die Zeit fehlte, weil wir zum Olympiagelände mit dessen Anlagen aus dem Jahr 1992 wollten. Dieses erreichten wir erfreulicher Weise zu einem Zeitpunkt, als das Gelände gerade in einem strahlenden Gold von der untergehenden Sonne getaucht war, weswegen die dort entstandenen Fotos auch eine unglaubliche Wärme und Kraft ausstrahlen, wobei ich mir diese bisher nur auf dem kleinen Display der Kamera angesehen habe.

Der fortgeschrittenen Stunde wegen schritten wir weiter ins Tal hinab, vorbei an dem Nationalpalast, dem Palau Nacional, einem prächtigen Bau mit Türmchen und Kuppeln, der 1929 für die zweite Weltausstellung in Barcelona erbaut wurde und heute das Museum für katalanische Kunst beherbergt, schließlich wollten wir uns die Wasserspiele auf der Plaça de Espanya, die als spektakulär angepriesen worden waren, auf keinen Fall entgehen lassen. Tja, was soll ich sagen? Schon beim wunderschön beleuchteten Nationalpalast, der eine vortreffliche Sicht auf den weiter unten liegenden Brunnen bietet, säumten zahllose Menschen erwartungsvoll die Treppen, auf denen auch wir uns einen Platz suchten, um später immer weiter und näher an das sprühende und musikalisch untermalte Farbenspektakel zu schreiten. Eingebettet in das immer finsterer werdende Dunkel der Nacht wurde dieses Erlebnis für mich zu etwas ganz Besonderem, etwas, das ich in diesem Moment gerne und sofort mit all den Menschen geteilt hätte, die mir lieb sind, obwohl ich es selbst gar nicht so genießen konnte, da ich immer und immer wieder versucht habe, es mit meiner Kamera angemessen einzufangen, aber es war etwas Besonderes. Ein Ereignis in meinem Leben, von dem ich, wenn ich es nicht erlebt hätte, im Nachhinein auf jeden Fall sagen kann, etwas Wertvolles versäumt zu haben, so als würde am Ende ein wichtiges Puzzleteil von meinem Leben fehlen.

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Aug 14 2010

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Tag 3: Irgendwas is immer

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Während es in den vergangenen Tagen in Deutschland Sternschnuppen regnete und damit viel Wunschpotenzial eröffnete, scheint unser derzeitiger Kurztrip in die spanische Metropole irgendwie unter keinem guten Stern zu stehen. Erst hatten wir zwei Tage Pech mit dem Wetter, das sich heute wesentlich gebessert hat, schon weist meine Kamera einen Fehlercode auf, der – wie ich eben in diversen Foren erfahren habe – auf alles mögliche hinweisen kann und selbst beim Einschicken in eine Fachwerkstatt nicht zwangsläufig Besserung bringt. Zwei, drei Bilder kann ich machen, dann muss ich die Kamera auschalten, den Akku entnehmen und wieder einsetzen, bevor ich nach den nächsten zwei bis drei Bildern den gleichen Aufwand habe. Ganz ehrlich: so macht Fotografieren kein Spaß! Und dabei trat der Fehler heute völlig willkürlich auf, ohne dass sich vorher etwas Nennenswertes ereignet hat.

Dabei haben wir heute lohnenswerte Sehenswürdigkeiten besucht, die es natürlich in aller Muse verdient hätten, auf Dauer als Erinnerung gebannt zu werden, was ich trotz des Malheurs zu realisieren versuchte.

Erste Anlaufstätte des Morgens hieß Sagrada Família, sprich Antoni Gaudis unvollendetes Lebenswerk. Man mag es kaum glauben, aber der Bau der großen römisch-katholischen Basilika, dem Wahrzeichen Barcelonas, wurde bereits 1882 begonnen. Die Fertigstellung soll 2030 sein. Grund für die lange Bauzeit ist unter anderem die eigentümliche Konstruktion, die die Arbeit so langsam voranschreiten lässt. Keine Frage: das, was wir in und an dem bizarren Bauwerk gesehen haben, lohnt einen Besuch, vor allen Dingen auch, wenn man sich viel Zeit für die Details nimmt, wobei mich die Massen der Besucher (lange Schlangen vor den Kassen!), von denen wir natürlich selbst ein Teil waren, gestört hat. Nur mal am Rande erwähnt: Im vollendeten Zustand soll die Sagrada Família insgesamt einmal 18 Türme besitzen, von denen bisher gerade mal acht vorhanden sind. Das Modell über die fertige Kirche ist aber der absolute Wahnsinn.

Sagrada Familia

Erfreulich nach diesen vielen Jahrzehnten mühseliger Arbeit ist übrigens die Tatsache, dass Papst Benedikt XVI. dieses Jahr am 7. November den Altar der Basilika weihen wird.

Nachdem wir die Dauer-Großbaustelle verlassen hatten, machten wir uns zu einer weiteren Touristenattraktion, dem Parc Güell, auf, auf den ich mich der zuvor gesehenen Bilder wegen besonders gefreut habe. Am nördlichen Stadtrand auf einem Hügel gelegen, wollte Antoni Gaudi ursprünglich ein exklusives Wohnviertel für das wohlhabende Bürgertum anlegen, von denen letztlich – mangels Investoren – aber nur drei Häuser gebaut wurden.1926 machte die Stadt den Park dann schließlich der Öffentlichkeit zugänglich, den die Unesco – wie einen Teil der Sagrada Família – zum Weltkulturerbe erklärte. Hätte sich mir heute zufällig die liebe Fee an die Seite gesellt, hätte ich mir neben einer funktionierenden Kamera vor allen Dingen eines gewünscht: weniger Touristen auf diesem traumhaft-verspielten Areal mit seinen runden und geschwungenen Formen, das nicht nur die längste Bank der Welt beherbergt, die sich 150 Meter lang über den Hauptplatz schlängelt, sondern hoch oben zudem mit einem fantastischen Ausblick über die Stadt belohnt, von dem aus alle Landmarken der Stadt zu sehen sind. So hat auch hier, wo Menschen wie Ameisen schienen, vor allen Dingen auf der Doppeltreppe und bei den Eingangspavillons, das Geschiebe und Geschubse genervt. Der Park an sich ist zum Verlieben.

Am späten Nachmittag suchten wir schließlich noch das Gotische Viertel im Herzen Barcelonas auf, in dem diese Woche ein großes Fest mit Live-Musik zelebriert wird. Bedauerlicherweise neigte sich der Akku der Sonne zu dieser Zeit aber schon recht rasch seinem Ende zu und gewährte zunächst der blauen Stunde und kurz darauf der Nacht ihren Einzug, so dass wir zwar sehenden Auges die Schönheiten dieses Viertels genossen, sie aber nicht mehr so einfangen konnten, dass ein Foto einen annährenden Eindruck davon vermitteln könnte. Wer aber jemals in Florenz war, wird sich an die viele kleinen Gassen mit ihren liebenswerten Finessen und die mittelalterlichen Bauten erinnern, die es auch hier gibt und einen zeitweise sogar wie in einer andere Epoche versetzt fühlen lassen. Unaufdringliche – anders als in den Ramblas – Straßenkünstler untermalten diese Szenerien auf angenehme Weise.

Tja, und als sich die Nacht dann gänzlich über Barcelona gelegt hat, sind wir noch einmal kurz zum Casa Batllo, einmal mehr einem Bauwerk von Antoni Gaudi, in welchem er seine Kreativität von Formen und Farben aus der Unterwasserwelt hat inspirieren lassen. „Noch einmal“ deshalb, weil wir es schon gestern kurz von außen betrachtet haben, des teuren Eintrittspreises und der langen Schlange wegen aber nicht von innen, wobei wir das ggf. noch nachholen.

Für morgen steht auf jeden Fall eine Fahrt auf den Montjuïc, den Hausberg der Stadt, den man mit einer Seilbahn erreicht, auf dem Programm, und zudem auch noch der Besuch des Olympiageländes von 1992.

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Aug 14 2010

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Bilder Barcelona 2010

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Bilder von Barcelona 2010 findet Ihr auf unserer Reisebilder-Seite.

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Aug 13 2010

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Tag 2: Am Puls der katalonischen Metropole

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Nach anfänglichen Jubelrufen meinerseits und ein paar vorsichtigen Freudensprüngen auf dem Bett, als ich den blauen Himmel heute Morgen sah, besann sich das Wetter aber wieder ganz schnell eines Schlechteren, um uns bei gänzlich bedecktem Himmel – der Luftfeuchtigkeit wegen – gefühlt eher thailändische Bedingungen aufzutischen. Demgemäß wurde der erste Tag Stadtbesichtigung heute auch zu einer echten Herausforderung für unseren Kreislauf, den wir mehr oder minder bravourös und mit kleinen schwächelnden Etappen gut überstanden haben.

Nachdem wir diesmal vergessen haben, in unserem Hotel das Frühstück mitzubuchen, haben wir uns heute Morgen kurzerhand selbst auf dem Weg nach einem Cafe gemacht und strandeten schließlich völlig zufällig bei „Francesco“, einem, wie Pan meinte, gänzlich spanisch sprechendem Lokal, in welchem wir uns – trotz einer missverstandenen Fehlbestellung – köstlich stärkten.

Diese Stärke war meines Erachtens aber auch von Nöten, um sich durch die Ramblas, laut Reiseführer dem „pulsierenden Herzen der katalanischen Metropole“ zu quälen. Verdrießlich war an dem Flanieren über die 1,3 Kilometer langen Straße, die sich in mehrere Abschnitte gliedert, vor allen aber Dingen die Fülle an Menschen – etwas, was ich so gar nicht mag. Letztlich, so ausgeprägt ist es mir auch noch nie anderswo aufgefallen, scheint es hier nur darum zu gehen, den Touristen zu bespaßen oder ihm das Geld aus der Tasche zu ziehen, sei es als Hütchenspieler, sei es als lebende Statue, sei es Karikaturist, Blumenverkäufer oder was auch immer. Und genau hier ist auch die Gefahr vor Taschendieben sehr groß. Witzigerweise haben wir heute sogar mitbekommen, wie ein Kleinkrimineller auf dem Placa Reial vor der Polizei Reißaus nahm und diese ihn zu viert verfolgte. Apropos Polizei: eins ist mir heute besonders aufgefallen – in Barcelona trumpft die Polizei mit Omnipräsenz, wobei in diesem Zusammenhang die Frage nach dem Warum bleibt.

Gibt’s so viele Polizisten, weil es so viele Kriminelle gibt? Oder soll mir deren Präsenz lediglich das subjektive Sicherheitsgefühl erhöht werden? Vermutlich vermengt sich beides ein wenig.

Ein wahres Feuerwerk an Gerüchen bot dann aber schließlich der farbenprächtige Mercat de la Boqueria, der sich direkt an der Rambla befindet. Beim größten Markt der Stadt, der rund 800 Stände umfasst, findet man auch nahezu alles – und das frisch – , was das kulinarische Herz begehrt: Seien es Süßigkeiten, Honig, Käse, erlesene Öle, Oliven, einheimisches oder exotisches Obst oder Gemüse, Fleisch, Schinken, Fisch oder Meeresfrüchte. Wir selbst haben uns übrigens mit zwei profan belegten Baguettes zufrieden gegeben.

Im Anschluss daran sind wir über die Klappbrücke Rambla del Mar, die wegen ihrer wellenförmigen Bauweise zu einem Magneten für Besucher geworden ist, zum Hafen gegangen, um ein wenig maritimes Flair zu schnuppern. Von hier aus war es dann auch nicht mehr so weit bis zum Port Olimpic, dem Olympischen Hafen, der 1992 zum Anlass der Olympischen Spiele in Barcelona erbaut wurde und heute zu den beliebtesten Gegenden in der Metropole zählt.
Ein witziges Fotomotiv hier, das sich aber leider nicht so gut einzufangen lässt, ist ein 50 Meter großer, kupfern glänzender Stahlfisch, der zwischen zwei Zwillings-Hochhäusern steht.

Naja, und wo der Hafen ist, ist der Strand natürlich auch nicht mehr weit, insofern haben wir uns noch ein wenig am beliebten Barceloneta aufgehalten, um den Abend allmählich ausklingen zu lassen, bevor wir uns völlig erschöpft auf den Rückweg ins Hotel gemacht haben.

Nur mal am Rande erwähnt: Mit ihren vielen Palmen, den kleinen Gassen, den Trinkbrunnen, der Genussfreude beim Essen und der herzlich kommunikativen Art, sprüht die Stadt mit ihren Bewohnern übrigens vor südländischem Flair, was einen ganz besonderen Reiz in sich birgt.

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Aug 12 2010

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Tag 1: Regen in Barcelona

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Vier Tage Barcelona, eine Stadt, von der mir bisher nur Gutes erzählt wurde. Gut präsentierte sie sich aber heute nicht, denn unser abendlicher Spaziergang nach dem Einchecken ins Hotel fiel ins Wasser. Es blitzte und donnerte, so dass wir im Hotel blieben. Das war alles halb so schlimm, immerhin erreichten wir unsere Unterkunft für die kommenden vier Tage erst gegen 20 Uhr.

Das Hotel ist sehr schön, zentral gelegen, die Zimmer sind sauber, und so sind wier hier sicher untergebracht. Sichern müssen wir uns aber vor Taschendieben, die soll es zur Zeit haufenweise in der Stadt geben. Müssen wir halt aufpassen und nur das Nötigste mitnehmen.

Einziger kleiner Haken für morgen früh: Wir haben kein Frühstück gebucht. Egal, dann suchen uns nach dem Aufstehen ein kleines schnuckeliges Cafe, in dem wir den Tag entspannt beginnen lassen können.

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Jul 23 2010

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Film: Grachten in Amsterdam

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Nun ist auch endlich unser Kurzfilm über unseren Kurzbesuch am 26. Juni in Amsterdam fertig. Viel Spaß beim Ansehen.

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Jul 20 2010

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Film: Helsinki 2010

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Schon kurz nach unserer Rückkehr aus Helsinki ist der Film zu unserem Kurzurlaub fertig. Die Schnelligkeit liegt daran, dass Bob mir am Wochenende geholfen hat.

Von unserem Kurzurlaub in der finnischen Hauptstadt gibt es übrigens zwei Versionen. Auch die Smoochies haben einen Film gedeht, der übrigens vollständig anders ist. Sobald er online ist, werde ich natürlich darauf hinweisen. Die Filme aus Amsterdam und Tegernsee folgen in den kommenden Wochen.

Nun aber zunächst viel Spaß mit unseren Erlebnissen aus Helsinki.

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Jul 11 2010

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Tag 3: Absurden Ideen auf der Spur

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Der 72 Meter hohe Turm im Olympiastadion bietet eine umfassende Aussicht über die Stadt.Das erste, was wir heute gemacht haben, als wir das Hotel verließen, war Pan eine schützende Kopfbedeckung zu organisieren, da er seine zuhause vergessen hat und die gestrige Sonne ihn abends nach eigenem Bekunden wie ein „Streichholz“ hat aussehen lassen. Dümmlicherweise ist mir das gestern unterwegs aber nicht aufgefallen, weil wir aufgrund der starken Helligkeit und der Sonneneinstrahlung ohnehin meist mit verkniffenen Augen durch die Stadt zogen.
Als Pan es dann zu spüren begann, waren wir leider schon auf der Festungsinsel, wo es weder Sonnencreme noch Kopfbedeckungen gab. Ausstaffiert mit einer schicken Kappe, die zudem günstig war, machten wir einen kurzen Abstecher am Bahnhof, um uns in Roberts Kaffee eine vorzügliche Cafe Latte zu gönnen, die wir gestern Abend das erste Mal genossen. Ähnlich wie beim Dom, wenn auch nicht in solch einem ausgeprägten Maße, spielt das Bauwerk Bahnhof mit Gegensätzen, nämlich einem funktional gestalteten Inneren und – dies trifft aber nur auf die vordere Fassade zu – einem schmucken Äußeren mit monumental steinernen Lampenträgern, die die Wahrzeichen des Bahnhofs sind.

Von hier setzten wir unsere Besichtigungstour auf sehr komfortable Art fort, nämlich mit der Straßenbahnlinie 3T, später mit der 3 B, die die selbe Strecke in entgegengesetzter Richtung fährt. Vorteilhaft an diesen Rundlinien ist die Tatsache, dass die Strecken in Form einer Acht viele touristische Highlights streifen.

Fabi und Bob im spielerischen Nahkampf.Am Olympiastadion stiegen wir dann aber aus, um uns den Schauplatz großer Ereignisse, die im Jahre 1952 bei den XV. Olympischen Sommerspielen ihren Höhepunkt fanden, anzusehen. Wirklich sehenswert ist dort meines Erachtens aber nur der 72 Meter hohe Stadionturm, der eine umfassende Aussicht über die Stadt bietet. Wesentlich unterhaltsamer fand ich dagegen zwei junge Männer, die auf einer kleinen Wiese so etwas wie Kapoeira praktizierten, was an sich nicht weiter erwähnenswert gewesen wäre, wenn, ja wenn unsere Kleinen das nicht zum Nachmachen animiert hätte. In absehbarer Zeit wird auf deren Seite aber auch ein Film davon zu sehen sein. Wir hatten auf jeden Fall großen Spaß.

Auf dem Weg zur Felsenkirche, unserem nächsten Ziel, auf das ich wirklich gespannt war, streiften wir unverhofft auch die Finnische Nationaloper, deren schneeweißes Gebäude jedoch eher Hochschulcharakter aufweist als Kultur verströmt. Im Stadtteil Töölö angekommen offenbarte sich uns schließlich die geheiligte Stätte, die im Reiseführer mit einem eher abscheulichen Foto von einem Besuch abhielt, obwohl die Information, dass der runde Kirchenraum in den Fels hineingesprengt wurde, schon allein der absurden Idee wegen ein Muss für uns darstellte. Tja, was soll ich sagen? Die Szenerie fotografisch ansprechend darzustellen, ist auch mir nicht gelungen, weshalb ich ungeachtet dessen aber trotzdem jedem Helsinki-Besucher empfehlen würde, diesen Weg nach Töölö auf sich zu nehmen, zumal der Fels, der die Wände bildet, ja auch noch „lebt“ und es durchaus beeindruckend ist, feuchte Wände zu spüren, die nichts mit baulichen Mängeln zu tun haben. Interessant ist darüber hinaus die Möglichkeit, sich die Felskirche von oben anzuschauen, die man über die äußeren Felsen erklimmen kann und darf.

Von Wildblumen bewachsene Felsen im Brunnenpark, die zum Verweilen einladen.Nachdem wir zu diesem Zeitpunkt (17.30 Uhr) zu unserem großen Bedauern festgestellt haben, dass das Freiluftmuseum heute schon um 17 Uhr geschlossen hat, entschieden wir uns kurzerhand und alternativ für den Brunnenpark, dessen Name nichts mit irgendwelchen Wasserquellen oder –spielen zu tun hat, sondern einer der grünsten Flecken Erde im südlichen Innenstadtbereich ist, der einst die Kuranlage Helsinkis für Gäste der feinen Gesellschaft und für Adlige aus dem ferneren Russland war. Die am Meeresufer gelegene Hügellandschaft mit altem Baumbestand und Wiesenflächen begeisterte mich vornehmlich mal wieder wegen der Felsen, die die ganze Stadt zu durchziehen scheinen. Die Gunst der sich hier so viel Zeit lassenden untergehenden Sonne nutzend verweilten auch wir auf einem mit Wildblumen bewachsenem Felsen, um den malerischen Ausblick auf die Schären zu genießen.

Zum Abschluss des Tages haben wir uns im Stadtteil Katajanokka schließlich noch die zweitgrößte (nur die von Russland ist größer) Eisbrecherflotte der Welt angesehen, die im Winter den Kampf gegen zufrierende Fahrrinnen aufnehmen und dafür sorgen, dass der Fracht- und Fährverkehr nicht zum Erliegen kommt. Wirklich schade, da ich kein Tele-Objektiv mit dabei hatte, fand ich die Tatsache, dass man die Schiffe nur von der Ferne vorteilhaft fotografieren kann, da ansonsten Hindernisse das Motiv säumen oder Zäune den Weg versperren.

Leider geht es ja schon morgen wieder zurück, während wir gerne noch zwei, drei Tage geblieben wären.

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